Kunst in Kassel – Die Documenta 2017

Kassel-Schloss Wilhelmshöhe
Bereits seit der ersten Documenta 1955 ist die nordhessische Stadt Kassel Gastgeber für die große Kunstschau. Mit der Documenta 14 in Kassel, die am 10. Juni 2017 eröffnet wurde, wird die Kunst des 21. Jahrhunderts einer neuen Bestimmung unterzogen.

Kunst in Kassel – Kunst vor Ort

Die Documenta gilt noch immer als bedeutendstes Kunstereignis der Gegenwart. Jede der alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen wird mit einem einmaligen Konzept realisiert. Kritisch, provokativ, mit alten Mitteln und neuen Methoden stellen Kunstprojekte Hergebrachtes zur Diskussion, eröffnen Künstler Fragen zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Themenschwerpunkt wird durch die jeweiligen Ausstellungsmacher bestimmt.

Wie schon in den früheren Ausstellungen verbreiten sich Kunstobjekte in der Stadt. Kunst der Documenta 14 wird an mehr als 30 verschiedenen Orten als Kunst in Kassel erlebbar. In öffentlichen Institutionen, Kinos oder an Universitätsstandorten und Plätzen stellen mehr als 160 Künstler ihre für die Documenta konzipierten Arbeiten vor. Kunst kommt in den Alltag, zumindest all derer, die in Kassel leben und arbeiten.

Being safe is scary“: „Sicher zu sein ist beängstigend“

Mit dieser Warnung der türkischen Künstlerin Banu Cennetoglu auf dem zentralen Gebäude, dem Fridericianum, wird ein wesentliches Thema der Documenta 14 angesprochen. Viele Objekte bei der Kunst in Kassel gehen der Frage nach: Wo bin ich hier gelandet? Zu sehen sind gestapelte Betonröhren, wie sie der Kurde Hiwa K. auf seiner Flucht benutzt hat. Bei näherem Hinsehen wirken die Röhren mit Matratze, Waschbecken und Bücherregal sogar wohnlich.

Mit dem Parthenon aus verbotenen Büchern erinnert Marta Minujin an staatliche Zensur, die gerade zunimmt.

Reiseratgeber
Als Ausstellungsort dient der Friedrichsplatz, auf dem einst die Nazis ihre ersten Bücherverbrennungen inszenierten. Besucher können verbotene Bücher spenden.

In der Neuen Galerie wird die Frage nach Werten und Währungen von Kunstmarkt und Staat gestellt. Vergleiche und Deutungen erzählen von den Konventionen der Kunst, ihren Verstrickungen und Abhängigkeiten.

Video: Highlights der documenta 14 | Kunscht!

Beeindruckende Kunstwerke, die Nordstadt und Kernthemen der Documenta

Kunstobjekte, Ausstellungen, die Stadt und Informationen machen die Documenta spannend:

  • Die Nordstadt, einst Industriestandort, beherbergt Kinder und Enkel von Gastarbeitern, Migranten und Flüchtlinge aus über 150 Nationen. Ein Stadtviertel im Umbruch. Das Viertel ist Wissenschaftsstandort und gleichzeitig Beispiel für fehlgeleitete Stadtentwicklung ab den 1950er Jahren.
  • Neoliberale Wirtschaftspolitik spaltet Gesellschaften. Ein Projekt der nigerianischen Künstlerin Otobong Nkanga informiert mit Kunst in Kassel über internationale Produktionstechniken.
  • Im ehemaligen Hauptpostamt zeigen 17 Künstler aus 13 Ländern Werke über Heimatvertriebene aus dem Osten sowie Gastarbeiter aus Südeuropa und Nordafrika.
  • Die mit Jutesäcken verhängten Torwachen von Ibrahim Mahama irritieren und sind gleichzeitig offen für Assoziationen durch Besucher.
  • Die Documenta-Halle beherbergt die grellen Malereien von Miriam Cahn. Sie stellt den Schock von Gewalt und Flucht dar.
  • Ebenfalls in der Documenta-Halle haben die Masken von Beau Dick ihren Platz gefunden. Er konfrontiert die Besucher durch seine faszinierenden Objekten mit der lange unterdrückten Kultur kanadischer Indianervölker.

Kunst ist eigensinnig und vielgestaltig

Heftige Proteste und Auseinandersetzungen über die Art der Ausstellungsstücke oder die ausgewählten Künstler haben die früheren Kunstausstellungen begleitet. Bei der Documenta 14 wird die didaktische Aufbereitung von Kunstobjekten durch den Ausstellungsleiter Adam Szymczyk sehr kritisch gesehen. Gleichzeitig fühlen sich Ausstellungsbesucher gerade durch diese Art der vorbereiteten Erklärungen an die Hand genommen.

Die Kunst wirft Fragen auf und sie gibt Anregungen. Mit etwas Mut und Geduld erschließen sich jeder Besucherin Objekte bei der Kunst in Kassel. Der Weg zur Documenta 14 lohnt sich einfach.

Titelbild: ©istock.com – Kastelein

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Hannah Meier

Hannah Meier, 28 Jahre alt, aus Duisburg. Redakteurin auf entdeckungsreisen.org

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